Uuuuhh, Baby….

Ja, heute wird’s wieder emotional!
Es geht um einen Stoff, der mich immer wieder schwach macht, dem ich nie widerstehen kann, von dem ich eine ganze Badewanne aussaufen könnte und es trotzdem nicht genug wäre: der geniale Punt e Mes aus dem Hause Carpano.

Natürlich wäre die blose Existenz dieses göttlichen Getränks schon Grund genug darüber zu schreiben, aber den eigentlichen Anstoss bekam ich vor ein paar Tagen. Am Samstag Abend nämlich, als wir nach Dienst noch in einer sehr hoch gelobten Berliner Bar zu Gast waren. Ich hatte keine Lust zu trinken, aber wie schon gesagt, Punt e Mes geht immer. Ich also nett und freundlich Punt e Mes auf Eis bestellt. “Hähh???” war die Antwort. Ich nett und freundlich meine Bestellung wiederholt. “Was soll’n das sein??” war die Antwort. Hach ich liebe guten Service. “Ein roter Wermut” war meine nette, freundliche Erklärung. “Hamm wa nich!” war die Antwort.
“Äh, doch. Steht da hinten links” war mein netter, freundlicher Hinweis. Augen verdreht’s und zieht von dannen um dann aber – Gott sei Dank- mit meiner Bestellung zurückzukommen.

Warum erzähl ich das? Nicht um Kollegen zu dissen, sondern weil mir da mal wieder klar geworden ist, daß es auch noch eine Welt außerhalb unserer Nerd-Seifenblase gibt, in der Menschen leben, die noch nicht wissen wie großartig Punt e Mes ist.


Mein absolutes Aha-Erlebnis diesbezüglich war, wie so oft, ein Blind Tasting, diesmal im Zuge der Mixology Vermouth Master Class.
Meine ersten Erinnerungen an Punt e Mes waren nämlich alles andere als erfreulich: ein fieses, bitteres Zeug, daß verstaubt in der hintersten Ecke des Regals steht (und in diesem Fall wohl auch schon seit Jahren offen und somit wirklich fies war).
Dann aber kam besagtes Tasting und ich staunte nicht schlecht als doch tatsächlich das Produkt mit den meisten Punkten auf meinem Bogen Punt e Mes war.

Seit diesem Tag sind wir unzertrennlich. Selbst meinen Manhattan will ich nicht mehr ohne, dafür dann aber gerne ohne Bitters.
Und noch etwas anderes habe ich aus dieser Master Class mitgenommen, meinen absoluten Lieblingsdrink zur Zeit und die für mich perfekte Art meinen Punt e Mes zu trinken:

Duplex

4,5cl Punt e Mes
4,5cl Noilly Prat Dry
2 dashes Orange Bitters

das Ganze auf Eiswürfeln kaltrühren und mit einer Zitronenzeste abspritzen.

Bastian Heuser hat das Rezept aus dem Buch “Drinks” von Jaques Straub aus dem Jahre 1914 ausgegraben, mit Carpano Classico gemixt und das ganze ohne Eis im Martiniglas serviert.
Ich bevorzuge ihn mit punt e Mes und auf Eis. Ausprobieren und toll finden!

Ach und wer jetzt auf den Mangel an eigentlicher Information über Punt e Mes hinweist, der hat natürlich vollkommen recht. Aber da ich nunmal von Natur aus faul bin und andere das schon so schön aufgeschrieben haben, hier der Link dazu:

http://www.drinks-magazin.com/html/klassiker_show.do?id=15

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Loch im Kopf!

Oder besser gesagt: totales Vakuum. Ich sitze jetzt seit einer Dreiviertelstunde hier und mir fällt absolut nichts Schlaues ein, was ich euch heute mitteilen könnte. Der ein oder andere Leser mag jetzt denken, wenn mir schon nichts Schlaues einfällt, dann sollte ich doch einfach mal die Klappe halten. Aber ich wäre nicht ich wenn ich dies täte, also schreib ich einfach mal drauflos und sehe wo es uns hinführt…

Was mir da als erstes in den Kopf kommt ist der ungewöhnlich hohe Anteil an Jobsuchenden in meinem Umfeld im Moment gepaart mit sehr vielen Bars die Leute suchen. Man sollte denken, daß sich das wunderbar ergänzt, aber irgendwie tut es das nicht. Die angebotenen Jobs will keiner, sind sie ja oft die Arbeitsstätten die man selbst oder ein Kollege gerade verlassen hat. Aber woran liegt das? Sind die Arbeitsbedingungen in den Bars dieser Stadt wirklich so schlecht? Oder sind einfach unsere Erwartungen zu hoch?

Auf jeden Fall gibt es Betriebe in denen absolut unzumutbares geschieht – von Chefs die ihren Leuten das Trinkgeld klauen, über unbezahlte 20-30 Überstunden pro Woche bis hin zu total unprofessionellem Mismanagament oder “semilegalen” Bezahlungsweisen. Ich bin wütend darüber, daß es sowas in dieser Branche zu Hauf gibt und praktisch das Einzige, was uns übrig bleibt, die Kündigung ist.

Aber was dann? Wo ist es wirklich besser? Versteckt sich nicht immer irgendwo der Pferdefuß?
Klar, es gibt die großen Hotels mit ordentlichen Arbeitsverträgen und Betriebsräten und lästigen F&B Managern und millionen Vorschriften und noch mehr bindenden Verträgen mit der Industrie…. auch keine wirkliche Alternative zum glücklich sein.

Ist vielleicht glücklich sein mit seinem Job einfach zuviel verlangt? Ist der Müllmann glücklich? Oder die Frau bei Schlecker an der Kasse? Wollen wir zu viel? Ist die Unzufriedenheit der Preis, den man zahlt wenn man statt einem Beruf eine Berufung hat? Fragen über Fragen….
Ich hab darauf keine Antwort, aber wenn euch eine einfällt lasst es mich wissen!

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Au Backe…

Verschlafen!!! So’n Mist! Und jetzt zack zack was schreiben….. und das, wo ich doch schon unter der Dusche stehen müßte!

Also auf die ganz schnelle Schnelle:
Heute gibt’s nur nen kurzen Ausblick auf meine nächstes, hoffentlich recht großes Projekt. Ich hab euch eingangs Emotionen versprochen – hab ich geliefert. Hab euch Gossip versprochen – hab ich geliefert. Hab euch Rhum und Whisk(e)y versprochen – hab ich geliefert. Aber ich hab euch auch die weibliche Sicht auf die Arbeit an der Bar versprochen und da bin ich noch einiges schuldig, nicht nur den fleißigen Lesern sondern vor allem meinen Schwestern im Geiste, die jeden Tag fleißig ihren Dienst im Schatten eines Barmanns leisten, dessen Allüren sie am Gast ausbügeln, dessen Shaker sie spülen, dessen Dreck sie wegmachen wenn er mal wieder versucht die blonde Schnecke am Tresen aufzureißen…Ladies ihr wisst was ich meine.

Ich plane eine Portraitreihe über die Barfrauen dieses Landes, die jeden Tag nen richtig geilen Job machen aber dafür vielfach nicht annähernd die Anerkennung bekommen, die ihnen zusteht. Ernsthaft, wieviele gute Barfrauen kennt ihr? Zwei? Vier? Keine? Glaubt mir, es gibt sie da draußen und es wird Zeit sie mal ein wenig in die Öffentlichkeit zu zerren.
Also freut euch auf ein paar spannende Geschichten von spannenden Frauen.

So, jetzt wird’s aber allerhöchste Eisenbahn!!!!!

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…und noch was zum BCB…

Juchu! Jippie! Yiihaa! Ich habe wieder Internet! Endlich! Nach nunmehr zwei Wochen Abstinenz (gelegentliche Besuche im Internetcafé nicht mitgerechnet) bin ich seit einer Stunde wieder Teil der virtuellen Welt und krempel natürlich geschwindt die Ärmel hoch und hau für euch in die Tasten.

Mein Thema heute ist der BCB – ja, ich hör euch schon stöhnen “boa, nee, reicht’s nich mal langsam?” – aber hey, da müßt ihr durch!
Nun werd ich euch nicht erzählen wann ich wo mit wem an welchem Stand gequatscht hab, welche Vorträge ich toll fand, welches Tasting mich total umgehauen hat, oder welche Firma sich am besten präsentiert hat. Kann ich auch garnicht, da ich von morgens bis abends an meinen Stand gekettet war und nix, wirklich garnix mitgekriegt hab.
Worüber ich dann schreiben will? Natürlich über das nicht minder interessante “Rahmenprogramm”, welches für überdurchschnittlich viele Indoorsonnenbrillenträger, vor allem am 2.Tag verantwortlich war.

Anfangen will ich mit der TravMix Party im Admiralspalast. Ein bißchen leid tut’s mir schon für die Gäste, das mit dem Chaos und so, kein Wechselgeld, altes, wässriges Eis, nicht die unverzichtbaren Lieblingsbitters am Start, nie genug und nie die richtigen Gläser, ach ja und Cola und Red Bull gab’s auch nicht (“Wie ihr macht kein Long Island? Wasndasfürnscheiß?”). Saftladen! Und ja, zugegeben, ich hab schon auf besser organisierten Caterings gearbeitet. Aber hey, wo sonst gibt’s kein fließend Wasser, keine Flaschenöffner, keine Kühlschränke, keinen Maracujanektar aber dafür die neuen TBT Bitters und Palettenweise frische Eier? Was braucht man denn mehr? (Ja, Sahne gab’s auch!) War’n saugeiler Abend, also hört auf zu meckern.

Den Montagabend nur in aller Kürze: bin auf die Klassenfahrt des Barnetzwerk Frankfurt gestoßen und die Party im Tausend war auch toll.

Am Dienstag wurden dann die jedes Jahr heiß diskutierten Mixology Bar Awards verliehen, umrandet von den Bars der Städteteams aus Hamburg, Köln, Frankfurt, Dresden und München. Zu den Siegern und der danach zwangsläufig entbrannten Diskussion, wer welchen Preis denn eigentlich vielmehr verdient hätte oder wie wer überhaupt zu einer Nominierung gelangt ist, will ich mich hier garnicht äußern. Ich möchte hier vielmehr die Stimmung an diesem besonderen Abend beschreiben, vor allem für die, die abends schon wieder in den Bars stehen mußten und nicht dabei sein konnten. Hm…aber dazu muß ich wohl die vorangegangen Tage miteinbeziehen denn wie sonst läßt es sich erklären, daß eigentliche Konkurrenten sich füreinander freuen und miteinander feiern. Die Erklärung liegt wohl irgendwo zwischen dem Schulter an Schulter Saftpressen im Admiralspalast mit Frankfurt, dem späteren Mixen neben Köln, dem Schwatzen auf der Messe mit Stuttgart, Düsseldorf, München, Nürnberg,Amsterdam und Havana, dem Stolpern über Hamburg auf unserer Couch und dem Trinken am Dienstag mit Zürich, London und…guys I know you where from Sweden, but I’m sorry, I forgot the name of the City!
Während den Awards haben wir für Köln die Daumen gedrückt, mit München geschwitzt, für Hamburg gebrüllt und mit Frankfurt gelitten…

Zusammengehörigkeit, Gemeinschaft, Bruderschaft, Familie…ich weiß nicht genau wie ich es beschreiben soll, was da gerade entsteht. Klar wir kennen uns teilweise schon seit Jahren aber diese Selbstverständlichkeit mit der Gäste aus Hamburg, Frankfurt oder Köln hinter Berliner Tresen anpacken wo Not am Mann ist, mit der schon im Vorfeld solcher Ereignisse Gastschichten abgesprochen werden, mit der Schlafplätze verteilt werden, mit der wir einfach deutschlandweit und darüber hinaus füreinander da sind ist neu und wunderschön. Deshalb an dieser Stelle nochmal Danke an alle, die dazu beigetragen haben diese drei Tage zu etwas ganz besonderem zu machen!

Und noch was: suche Gastbartender, der für den 4.+5. Oktober 2010 meine Schichten übernimmt!

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Es liegt was in der Luft…

Zuerst möchte ich mich mal entschuldigen. Für all den Quatsch, den ich heute schreiben werde. Ihr mögt mir verzeihen, denn ich stehe unter Drogen, Schmerztabletten um genau zu sein, die ich meinem Zahnarzt zu verdanken habe. Dazu kommt eine gewisse Melancholie angesichts der Umzugskartons um mich herum und der Tatsache, daß der letzte Arbeitstag in der Marlene Bar bereits hinter mir liegt. Deshalb bevor ich loslege: Mea culpa!

Wer heute aus dem Fenster schaut (zumindest in Berlin), kann es umschwer erkennen: Der Herbst ist da, die Jahreszeit der Veränderung, des Umbruchs, aber auch der Vorbote der Erneuerung. Die Blätter färben sich kupfern und die Herbstsonne taucht sie in ein glorioses Gold vor einem strahlend blauen Himmel. Es liegt ein Zauber in der Luft, die plötzlich nicht mehr nach verbranntem Asphalt riecht, sondern nach feuchter Erde und Verwitterung. Das Licht, das durch die Bäume fällt hat etwas Magisches, wie zu keiner anderen Zeit im Jahr, etwas, das mich ganz kribbelig macht, den Nomaden in mir weckt und mir ein selten dümmliches, breites Grinsen ins Gesicht pflanzt.

Der Herbst ist auch die Zeit die Aperol Spritzes und Mojitos einzumotten und die Whiskies auszupacken, was mir ein noch breiteres Grinsen verschafft. Über Bourbon und Rye habe ich ja schon reichlich schwadroniert und ich denke es ist Zeit mich endlich mal meinem eigentlichen Schwerpunktthema zuzuwenden: den Single Malts.
Ja, ich habe sie vernachlässigt. Es gab so viel Neues zu lernen und zu erforschen die letzten Jahre, das meine erste große Liebe vollkommen in den Hintergrund gedrängt hat. Denn das waren die Single Malts. Das erste barbezogene Buch, das ich mir gekauft habe, war nämlich nicht von Charles Schumann, Franz Brandl oder Uwe Voigt. Es war Stefan Gabanyis Whisk(e)y Lexikon, gefolgt von einigen Michael Jacksons und Jim Murrays.

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Aber nicht nur ich habe sie vernachlässigt, diese altehrwürdige Hohheit unter den Spirituosen. Sie ist zu einem ungeliebten Stiefkind der Barszene geworden, mit dem gerade junge Bartender so garnichts mehr anfangen können. Angestaubt und provinziell ist ihr Image, dabei haben wir ihr doch soviel zu verdanken. Als ich vor zehn Jahren angefangen habe hinter dem Tresen in einer Dorfgaststätte zu arbeiten waren Single Malts neben einigen Cognacs im größten Teil Deutschlands die einzigen verfügbaren Premiumspirituosen (im eigentlichen Sinne von Premium, nicht wie heute gebräuchlich) und haben bei den Konsumenten das Interesse für’s Purtrinken und für hochwertige Brände geweckt. Damals gab es keinen anständigen Rum und so gut wie keine trinkbaren Bourbons, von Rye und Tequila ganz zu schweigen. Wenn ich heute mit Barleuten rede, gerade denen, die erst in den letzten Jahren in die Barszene gestolpert sind, höre ich immer wieder “Single Malts sind nicht so mein Ding” oder “damit kenn ich mich nicht wirklich aus” und das macht mich traurig und auch ein wenig fassungslos. Jeder kann dir einen Vortrag über Tequila halten und das Rezept eines Clubland rezitieren, aber Single Malts? Fehlanzeige. Kommt es nur mir so vor, als würde hier jemand ein Buch schreiben wollen, ohne die Grundregeln der Grammatik zu beherrschen? Ok, daß das funktioniert wissen wir spätestens seit Bushidos Memoiren…

Aber ehrlich, wie kommt es, daß sich Bars in der Auswahl ihrer Gins (oder vor kurzem noch Wodkas) überschlagen aber andererseits keine fünf Minuten für die Auswahl ihrer Malts erübrigen und sich stattdessen die gesamte Classic Malts Serie, etwas Glenfiddich und am besten noch die komplette Glenmorangie Range ins Regal stellen?
Wie kann es sein, daß eigentlich tolle Bars in der Whiskysektion ihrer Barkarten haufenweise dumme Fehler machen? Da wandert ein Johnny Walker Green Label schonmal unter die Single Malts, ein Glenmorangie zu den Lowlands und Springbank ist plötzlich auf der Insel Skye zu finden…peinlich, peinlich sowas.

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Was ich mir wünsche ist etwas mehr Respekt und Ehrfurcht vor dieser wundervollen Spirituose, die alle Menschen, die sich ernsthaft mit ihr auseinandersetzen zwangsläufig in ihren Bann zieht.
Sehr viele Gäste messen eine Bar nicht nur an ihrer Single Malt Auswahl, sondern auch an dem Fachwissen des Barpersonals darüber. Die Community der Whiskyconnaisseure ist riesig und strotzt nur so vor Klugscheißern, die nur darauf warten dem Jungchen hinterm Tresen die Welt zu erklären und ihn dann anschließend für seine Unwissenheit zu zerreissen.
Man muß ja nicht gleich nach Schottland fahren, aber sich mal ein gutes Buch zu kaufen und das ein oder andere Tasting zu besuchen ist glaube ich kein allzugroßes Opfer.

Und wer weiß, vielleicht findet ja der ein oder andere auch noch die große Liebe……

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Ich will Sahne!

Nein, nein! Das wird jetzt keine wikimäßige Abhandlung über die Herstellung und Verwendung verschiedener Sahnesorten, sondern mal wieder eine Schneidersche Schimpftirade – was sonst.
Und zwar gegen Leute, Fachkollegen um genau zu sein, die mir so richtig auf die Nerven gehen.
Ihr kennt das sicher: Man war gut und reichlich essen und möchte noch ein gepflegtes Getränk nehmen. Der Bauch ist mehr als voll, all die tollen Desserts im Restaurant haben nicht mehr reingepasst, aber man könnte eigentlich sterben für so eine winzigkleine Süßigkeit. Genau dann brauche ich einen Brandy Alexander, nicht mehr und nicht weniger, um vollkommen glücklich zu sein.

Dumm nur, daß man gerade an einen, wie ich es gerne nenne, “Retronazi” geraten ist, der sich partout weigert, Sahne auch nur in die Hand zu nehmen. “Machen wir hier nicht”, oder “wir sind eine klassische Bar”, oder “passt nicht in unser Konzept”. Aha. Okay. Super.
Aber nach dem Essen will ich nunmal keinen Martini oder Manhattan trinken (okay, Manhattan will ich immer trinken, aber das zählt grad nicht). Ich will einen Brandy Alexander, einen White Russian, einen Grasshopper, meinetwegen auch einen Golden Cadillac – kurz: einen klassischen After Dinner Cocktail.
Versteht mich nicht falsch, ich will hier kein Plädoyer für Bailey’s Colada und Freunde halten, aber einer kompletten (und wie ich finde sehr wichtigen) Kathegorie der klassischen Cocktailkultur den Rücken zu kehren um einem Trend nachzulaufen ist einfach nur engstirnig und ignorant.

Zugegeben, Alexander und Co. stammen nicht aus dem 19. Jahrhundert, sondern sind erst in den Zwanzigern bis Sechzigern des letzten Jahrhunderts entstanden. Aber reichen 80 Jahre nicht, um als Klassiker zu gelten?
Oder liegt es daran, daß diese Drinks keine ausgegrabenen vergessenen Schätze sind, sondern vielmehr auf unzähligen Cocktailkarten in der ganzen Welt zu finden sind und dies auch immer waren solange es sie gibt?
Ist es uncool sie zu machen, weil jeder ReFa-Azubi sie schon in der Schule lernt?
Sind sie vielleicht deshalb gerade in der Szene so verpöhnt weil man so schlecht drei verschiedene Bitters reinmachen kann?

Gut, reden wir über eine weit coolere (weil ja wieder ausgegrabene) Getränkegruppe, die mir überaus am Herzen liegt: die Flips. Ich liebe Flips. Porto Flip, Brandy Flip, Bourbon Flip…ich verflippe zur Zeit so ziemlich alles was mir in die Finger kommt. Aber fast immer mit Sahne.


Ich weiß, ich weiß, die ersten Aufzeichnungen die man über Flips findet sind ohne Sahne, sie taucht erst so ab den 30er – 50er Jahren in den Rezepten auf. Aber heißt das, daß man sie zwangsläufig ohne Sahne zubereiten muß? Ich sage mal es würde ja auch niemand einen Topf mit Bier auf den Herd stellen wenn ein Gast einen Rum Flip bestellt, nur weil er mal Jerry Thomas gelesen hat. Aber im Ernst, wenn man sich z.B. den Porto Flip mal vornimmt und sich ehrlich damit auseinandersetzt kommt man (behaupte ich) zu dem Schluß, daß er mit einem kleinen Schuss Sahne viel besser funktioniert. Sahne gibt dem Flip eine schönere Textur, einen volleren Körper und bindet das Ei besser ein. Außerdem mildert sie den leicht unangenehmen Lecithingeschmack und -geruch.

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Und um jetzt wieder zum Schimpfen zurück zu kommen: Ich hab’s satt schief angeguckt zu werden wenn ich mir einen Flip mit Sahne bestelle! Ein toller Drink ist ein toller Drink, egal ob er gerade “in” ist, oder nicht. Ganz ehrlich Kollegen, ich bin ein großer Freund von Büchern und ich finde auch daß man sich mit Trends kritisch auseinandersetzen sollte, wobei hier aber die Betonung auf kritisch liegt. Man sollte bei jedem Hype nicht vergessen selbst zu denken und sich ein wenig mehr auf sein eigenes Urteil verlassen. Dann war ich eben letztes Jahr total out, weil ich nie ein Tequilafan werde. Und dieses Jahr bin ich die Mainstream-Liesl weil mir der Porto Flip mit Sahne besser schmeckt. Who cares..?

Ich mach mir jetzt erstmal eine Maracujaschorle!

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Schneiders gesammelte Grütze

Achtung! Weitersagen!
Heute geht’s ausschließlich um die neuesten Neuigkeiten, Klatsch und Tratsch, eben das, was uns diese Woche so beschäftigt – vollkommen bildungsfrei und uneloquent.
Zu berichten gibt es zwei Neueröffnungen, zwei Jobwechsel, zwei “Familienzusammenführungen” und das wohl schrägste Tattoo der Barszene und (fast) alles hat irgendwie miteinander zu tun…
Aber von vorne:

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Heute öffnet die im Vorfeld schon viel beachtete Bar des Amano Hotels endlich auch ganz offiziell ihre Pforten. Warum beachtet irgendwer die Eröffnung der Hotelbar eines Drei-Sterne-Hotels? Ganz einfach: weil niemand geringerer dahintersteckt als Mario Grünfelder, seines Zeichens kreatives Genie und Herrscher über den Tresen des sagenumwobenen Tausend. Und als ob das nicht genug wäre, hat er sich auch noch Philip Bischoff aus der Tube Station geschnappt (was dann auch ersterer der angekündigten Jobwechsel wäre).
Ich hatte bereits das Vergnügen, mir dir Bar von innen anzuschauen und sie ist ein echter Hingucker geworden. Schöne Bar+ geballte Kreativität + zwei große Namen in der Berliner Szene = Hingehen!

Amano
Auguststr. 43 (Ecke Rosenthaler Str.)
10119 Berlin

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Obwohl dies schon fast einer Majestätsbeleidigung gleichkommt, muß ich sagen, daß ich die zweite Neueröffnung dieser Woche noch um einiges spannender finde und mich ungleich viel mehr auf die Eröffnungsparty am Donnerstag freue: das Stagger Lee (ein ganz großartiger Name, wie ich übrigens finde).
Hierbei handelt es sich um das unglaublich mutige und wie man munkelt außergewöhnlich gut durchkonzeptionierte und einzigartige Projekt von Maureen Reichl und ihrem neuen Barchef Jakob Etzold, aka das ehemalige Reingold Barteam. Keine Ahnung was uns dort erwartet, aber ich habe nicht den Hauch eines Zweifels, es wird Großes sein.
Ich für meinen Teil wünsche den beiden allen nur erdenklichen Erfolg und möge Hoti mit ihnen sein!
Die Sause steigt am 17.09.09, ab 20.00 Uhr! Hingehen!! (mit 2 Ausrufezeichen)

Stagger Lee
Nollendorfstr. 27
10777 Berlin

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So, jetzt haben wir zwei Neueröffnungen und einen Jobwechsel. Weiter geht’s mir Jobwechsel Nummer zwei, der auch gleichzeitig “Familienzusammenführung” Nummer eins ist.
Ich habe heute meinen Vertrag bei meinem neuen Arbeitgeber unterschrieben, der Shochu Bar und freue mich riesig darauf ab dem 01.10. mit Arnd und Lennart die Bar zu rocken. Aber keine Sorge, die Sake- und Shochuposts werde ich weiterhin Arnd überlassen.

Shochu Bar
Behrenstraße 72
10117 Berlin

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“Familienzusammenführung” Nummer zwei kommt jetzt ganz eindeutig aus der Gossip-Ecke. Cordula Langer und ich werden in einer Stunde den Mietvertrag zu unserer Barfrauen-WG unterschreiben in der wir dann ebenfalls ab Oktober unsere gesammelten Spirituosen vereinigen werden. Watch out for the Einweihungsparty!!! (drei Ausrufezeichen)

Adresse wird
hier sicher
nicht verraten!

Und die letzte Meldung hat ebenfalls mit oben besagter Barfrau zu tun: Cordi hat sich doch tatsächlich Jerry Thomas inklusive Blue Blazer im DIN A4 Format auf den Rücken tätowieren lassen! Glaubt ihr nicht? Hier das Beweisfoto:


Das war’s an Grütze diese Woche. Viel Spaß beim weitertratschen!

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Gelernt ist gelernt!…?

Wie einige von euch ja sicher schon mitbekommen haben, bin ich gerade auf Jobsuche, was mich wiedermal zwingt, mich mit so unleidigen Dingen wie Lebenslauf und Bewerbungsschreiben auseinanderzusetzen. Finde ich gräßlich. Aber die ganze Sache hat auch was Gutes, sie hat mich auf eine Idee für den heutigen Post gebracht. Die Frage des Tages lautet: sind Quereinsteiger zwangsläufig die schlechteren Gastronomen?

Wenn ich mich in meinem direkten Umfeld so umschaue, gibt es eigentlich kaum jemanden, dessen Weg ihn gleich von der Schulbank an die Bar geführt hat…Philip Bischoff war mal Student, Thorsten Pannek ist gelernter Zimmermann, Cordula Langer begann ihr Berufsleben im Reisebüro, Sven Riebel ist Diplomkaufmann, Dirk Becker eigentlich Goldschmied, Mike Meinke hatte nach Werbekaufmannslehre und BWL-Studium sogar eine eigene Consultingfirma, Markus Weidenfeller war mal Schreiner (ich weiß, nur einer von vielen) und meine Wenigkeit hat ja auch erst letztes Jahr die Mathediplomarbeit endgültig in der Schublade verschwinden lassen (von meiner Ausbildung als Pferdewirtin ganz zu schweigen).

Nun bin ich sicher nicht die Einzige, die sich während ihrer ganzen “Gastronomiekarriere” abfällige Sprüche der Gelernten über ihr Quereinsteigertum anhören mußte. Aber sind die wirklich gerechtfertigt? Ich behaupte nein (was die obige Liste wohl deutlich illustrieren dürfte)!
Während in der Gesellschaft immernoch das Bild des gescheiterten Studenten, der im Studium versagt und sein Heil in der Gastrnomie gesucht hat, allgegenwärtig ist, sieht die Wirklichkeit doch ganz anders aus. Viele von uns waren in ihrem Studium oder Beruf durchaus erfolgreich, aber todunglücklich. Die Entscheidung für die Bar war keine notwendige sondern eine bewußte. Ich, wie viele andere mit denen ich über diesen Post gesprochen habe, habe mir meinen Beruf ausgesucht, weil ich ihn liebe und ich nichts anderes lieber täte. Er war nicht Plan B, C, oder D.

Viele Gelernte (natürlich nicht alle!) hingegen hatten nach ihrem vielleicht nicht ganz so brillianten Abschluss keine große Auswahl und haben einfach die Ausbildungsstelle genommen, die sie gekriegt haben. Dazu kommt, daß die ehemaligen Studenten unter uns gelernt haben, sich Wissen selbst anzueignen und zu erarbeiten – eine Eigenschaft ohne die man an der Bar vollkommen nutz- und ahnungslos bleibt.

Ihr merkt schon, ich pöbel hier ein wenig. Und ich könnte eine ebenso lange Liste toller Bartender zusammenstellen, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt haben.
Dennoch…eine Restaurant- oder Hotelfachausbildung macht einen nicht zwangsläufig zum besseren Bartender und ich würde mir wünschen, daß diese Vorstellung endlich aus den Köpfen der Menschen verschwindet.

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Inspektorin Schneider auf der Suche – Teil 2

So!Da bin ich wieder!

Ich will euch nicht mit einem Überfluß an Tasting Notes erschlagen und beschränke mich deshalb auf die wichtigsten Erkenntnisse des Abends:
Einstimmig für grausig befunden wurde der Clément, wenig Charakter, viel alkoholische Schärfe.
Positiv aufgefallen ist der La Mauny durch sein frisches, süßes Zuckerrohr.


Mir war er allerdings zu glatt und zu eindimensional.

Sehr schön fanden wir alle den Domaine de Severin, der eine wunderbar fruchtige Nase hat und auch sonst einfach ne runde Sache war.

Der Trois Rivierères 55% spaltete die Geister. Während ich seine extrem eigenwilligen, fauligen Fruchtnoten großartig finde, waren die Herren eher wenig angetan.

Sein “großer Bruder” allerdings, der Trois Rivières 62%, war’s dann letztendlich, der alle Anwesenden vom Hocker gerissen hat. Frisches Zuckerrohr en Masse, gepaart mit überreifen Pflaumen und faulen Trauben – ein Traum!

Umso begeisterter war ich, als ich erfuhr, daß der Lebensstern den Ti Punch neuerdings nicht mehr mit Dillon, sondern mit Trois Rivières macht! Und das auch nicht mehr geshaked in der Martinischale sondern im Gästeglas gebaut, im Tumbler.
Und somit sind wir schon bei der Zubereitungsart des perfekten Ti Punch.
Wälzt man die Literatur ein wenig hin und her findet man nahezu unendlich viele Rezepte und Zubereitungsarten. Geshaked, gerührt, gebaut, mit Eis, ohne Eis, in der Schale, im Tumbler, 4cl Rhum, 6cl Rhum, 2cl Zucker, 4cl Limette, Spritzer Limette, Barlöffel Zucker………..


Ich möchte mich hier auf zwei Versionen beschränken. Einmal die “einheimische Variante”, die mir ein ehemaliger Stammgast aus Martinique ans Herz gelegt hat, sowie die Lebenssternvariante, die wohl die massenkompatiblere sein wird.

Variante 1:
9cl Rhum Blanc 62%
1 Limettenspalte im Glas ausgedrückt
1cl Zuckersirup

direkt im Gästeglas zubereitet, kurz ohne Eis verrührt und ebenfalls ohne Eis serviert

Variante 2:
5cl Rhum Blanc (hier Trois Rivières 55%)
1cl frischer Limettensaft
2cl Zuckersirup

ebenfalls im Gästeglas zubereitet, allerdings im gefrosteten und auf doppelt gefrostetem Eis

Um ganz und gar ehrlich zu sein… ich bevorzuge immernoch den Trois Rivières 62% und ein klitzekleines bißchen mehr Säure. Aber villeicht muß man es für den perfekten Ti Punch eben doch nach dem creolischen Motto chacun prépare sa propre mort halten (auf Deutsch in etwa “jeder schafft sich seinen passenden Tod”): sein Getränk im Bausatz bestellen und selbst die richtige Mischung finden.

Ach ja…zum Thema finden: den passenden Rhum (und vieles Anderes) findet ihr übrigens im neueröffneten Shop im Lebensstern, wo ihr euch nach dem betrinken auch tief in der Nacht den liebgewonnenen Stoff gleich mit nachhause nehmen könnt.

In diesem Sinne: viel Spaß beim rhumprobieren!

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Inspektorin Schneider auf der Suche nach dem perfekten Ti Punch

Der Sommer gibt noch mal alles um uns so richtig ins Schwitzen zu bringen und läßt uns von fernen Stränden mit sanfter Meeresbrise träumen. In meinem Traum ist es ein karibischer Strand, ich liege im Schatten unter einer Palme durch die der Wind rauscht und halte einen Ti Punch in der Hand. Hmmm…Ti Punch!
Leider, leider ist es schrecklich schwer hierzulande einen anständigen Ti Punch zu bekommen, werden einem doch allzu oft leichte, daiquiriähnliche Getränke, wenn möglich noch auf bergeweise Crushed Ice, als Ti Punch angepriesen.
Ich habe mich in diesem Sommer nur für euch Ti Punch-trinkend durch die berliner Barwelt gekämpft um euch berichten zu können, daß es nur eine Bar meines Vertrauens für den perfekten Ti Punch gibt: den Lebenstern!
Zugegeben, es war von Anfang an kein fairer Wettkampf, verfügen die Herren doch über den mit Abstand besten Stoff ( und die mit Abstand größte Auswahl daran).
Aber man kann keine Aussagen über den perfekten Ti Punch treffen, wenn man sich nicht vorher höchst wissenschaftlich damit auseinandersetzt!


Also kehrte ich letzten Freitag in den Lebenstern ein – aus rein wissenschaftlichen Gründen natürlich – um mich mit dem Thema Ti Punch und dem diesem zugrunde liegenden Rohstoff, dem weißen Rhum Agricole, eingehend zu beschäftigen.
Die Auswahl des Rhums ist beim Ti Punch von sehr viel größerer Bedeutung als bei den meisten anderen Drinks, da der Drink natürlich zum größten Teil aus Rhum besteht und da es hier keine zusätzlichen Aromen gibt wie Bitters, Liköre, Sirupe, etc. Außerdem sind Agricoles wohl mit die eigenwilligsten und charakterstärksten weißen Spirituosen, deren Aromen von wundervollen Fruchttönen bis hin zu faulen Eieren reichen können. Deshalb finde ich diesen Drink auch so fantastisch. Wenn man den richtigen Rhum wählt, bilden Limette und Zucker das Podest, von dem er Strahlen kann. Wählt man den Falschen, gibt es nichts, was das übertünchen kann. Der Drink geht einfach nur schief.

Also Ärmel hochgekrempelt und Rhums probiert!
Elf Stück an der Zahl haben uns (Arnd Heissen und mir) Sven Riebel und Bernhard Stadler aus den Schränken hervorgesucht. Wohl gemerkt, nur die weißen Vertreter.

1. La Mauny 50%
2. Damoiseau 50%
3. Clément 55%
4. Trois Rivières 55%
5. Dillon 55%
6. Saint Etienne 50%
7. Saint James 40% (kam nachträglich ins Tasting, deshalb an dieser Stelle)
8. Domaine de Severin 55%
9. Rhum Bielle 59%
10. Depaz 62%
11. Trois Rivières 62%

…die Ergebnisse gibt’s an gleicher Stelle heute Abend!

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