TADA!!!

Fanfaren! Trommelwirbel! Tosender Applaus! Hier ist er – mein neuer Blog!

Eure Begeisterung hält sich in Grenzen? Nun, meine nicht. Denn mir juckt’s entsetzlich in den Fingern.  So viel zu erzählen, soviel zu sagen, soviel zu meckern, soviel zu preisen… naja und bevor ich noch anfange meine Gäste damit zu belästigen, suche ich mir doch lieber wieder ein anderes Ventil und posaun es raus in die weite virtuelle Welt.

Ich weiß, einiges hier ist noch Baustelle, aber ich konnte einfach nicht erwarten, euch wieder meinen ungefragten Senf auf’s Brot zu schmieren.

Der wird zunächst einmal aus meinen alten Bartender Labor Artikeln bestehen, gespickt mit dem ein oder anderen aktuellen Post.

So, jetzt aber genug für heute…morgen ist schließlich auch noch ein Tag!

Veröffentlicht unter Grütze | 4 Kommentare

I like…

…Admiral’s Bar.
Wie fang ich das jetzt an? Zu schreiben, warum ich die Admiral’s Bar im Berliner Admiralspalast toll finde, sollte eigentlich einfach sein – eigentlich. Allerdings stürmen mir gerade so viele Gedanken durch den Kopf, daß ich garnicht weiß, wo ich anfangen soll.

Außerdem beschleicht mich so etwas wie Ehrfurcht, wie auch jedesmal wenn ich unter den großen Kronleuchtern hindurch in den Innenhof des Admiralspalasts trete. Es ist, als würden mich die Geister der Vergangenheit begrüßen, einer prächtigen und prunkvollen Vergangenheit. Kaum bin ich durch die dunkle Kellertür zur Admiral’s Bar getreten, bekomme ich Gänsehaut, laufen mir Schauer über den Rücken. Geht es nur mir so? Die Wände dieses Gebäudes scheinen ihre eigenen Erinnerungen zu haben, angefüllt mit der Geschichte des letzten Jahrhunderts und dem Lachen vergangener Tage. Zu gerne würde ich ihre Geschichten hören…

In der Bar angekommen, verstärkt sich dieses Gefühl noch. Wo bin ich? Wann bin ich? Ich vermute irgendwo in den 20er Jahren. Nichts hier ist modern, nüchtern, kühl. Jedes noch so kleine Detail scheint uralt zu sein – von den Gläsern, über die Aschenbecher bis hin zu den wunderschönen Glaskaraffen, die zum Verdünnen des Absinths auf jedem Tisch stehen. Und Absinth ist auch das große Thema dieser Bar. Neben einer besonderen Auswahl im Purausschank, gibt es natürlich auch eine feine Zusammenstellung an Absinthdrinks, erstellt vom Meister himself, Goncalo de Sousa Monteiro.


Überhaupt, die Drinks!
Ich stehe in dem Ruf, ein schwieriger Gast zu sein, was ich selbstverständlich bestreite. Ich bin der Meinung, genau zu sagen (und ich meine wirklich genau) was ich möchte, erleichtert es dem Menschen hinter Bar mich glücklich zu machen.
Bei Goncalo aber ist das nicht nötig, weil alles, ganz einfach alles, was er mir bisher vorgesetzt hat großartig war. Deshalb bestelle ich am Tresen der Admiral’s Bar auch eigentlich nur noch Bartender’s choice.

Nicht, daß es nicht genügend herrliche Drinks auf der Karte gäbe – ganz im Gegenteil. Ich hatte noch nie eine Karte in der Hand, deren Seiten so von süßen Verlockungen strotzten, wie diese. Moderne Interpretationen großer Klassiker, vergessene Schätze, sowie Eigenkreationen des großen Meisters überzeugen ganz schnörkellos und unpretentiös. Hier gibt es keinen neumodischen Schnickschnack und kein großes Tamtam. Es wird kein seelenloser Alkohol in Saft, Sirup und Limonaden ertränkt. Die Drinks überzeugen durch die Qualität ihrer genauestens gewählten Zutaten, die alle dazu dienen, den Charakter der Spirituose und des Drinks besser hervorzuheben.

Ihr merkt schon, ich bin ein Fan! Aber bevor ich mich vollends im Schwärmen verliere, hier noch ein paar Fakten:

Die Admiral’s Absinth Bar befindet sich im Admiralspalast in der Friedrichstraße 101/102 in Berlin.
Geöffnet ist sie täglich ab 18.00 Uhr.

Ach ja, noch ein kleiner Tipp für alle, die zum ersten mal hingehen: Zur Bar gelangt ihr durch den großen Torbogen und im Innenhof scharf links die Treppe runter. Ja, es sieht aus wie eine Kellertreppe und nein, es hängt kein Schild darüber. Das hängt erst über der dunklen Tür im Keller, die zwar keinen Türgriff hat, aber eine Klingel.

Mit diesem Wissen gerüstet, solltet ihr euer Ziel sicher ereichen.

Wer etwas über die Geschichte des Hauses erfahren möchte, dem seien folgende Links empfohlen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Admiralspalast

http://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?set=1&p=61&D1=Schweitzer&D2=Heinrich&D3=Admiralspalast%2C+Berlin

P.S. : Fotos werden nachgereicht!

Veröffentlicht unter Grütze | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Introducing…Franziska Altenberger

Ja, es ist soweit. Die Barfrauenreihe neigt sich dem (zumindest vorläufigen) Ende zu. Und wer könnte einen besseren Abschluss bieten als die wohl bekannteste in dieser Reihe: Franzi Altenberger.

Zugegeben, ich wollte eigentlich mehr schreiben und vor allem Frauen portraitieren, die noch nicht jeder kennt. Aber das hat leider nicht so funktioniert, wie ich mir das gedacht habe. Eine e-mail mit Fragen, die zu beantworten vielleicht 30 Minuten in Anspruch genommen hätte, ging an rund 20 Bartenderinnen, sowie drei Mails zur Erinnerung an die Deadline und mit Bitte um Rückmeldung. Fünf davon haben mir ihre Antworten gemailt und eine hat sich vier Stunden Zeit genommen für ein Interview. Ihre Idee, nicht meine. Dreimal dürft ihr raten, wer die eine war… richtig, Franzi!
Und hier zeigt sich, was sie erfolgreicher und bekannter macht als andere in dem Geschäft: Harte Arbeit, Professionalität und extreme Zielstrebigkeit.

Na auf jeden Fall ist dieses Interview (oder sollte ich sagen der Kaffeeklatsch) daran schuld, daß der Beitrag heute etwas anders ausfällt als die anderen. Sie meldet sich nicht selbst zu Wort, sondern ich erzähle Ihre Geschichte. Und die beginnt im Jahr 1990 in Berlin…

In einer Zeit nämlich, in der nichts mehr so war wie bisher und in der man heute nicht wußte, ob es den Betrieb, in dem man arbeitet morgen noch gibt. Das war das Jahr, in dem die im damaligen Ost-Berlin aufgewachsene Franzi ihre Ausbildung als Restaurantfachfrau began. Die sogenannten “Konkursazubis” wurden von einem Betrieb zum anderen geschoben. Niemand wusste so recht etwas mit ihnen anzufangen und ihre Zukunft war recht ungewiss. “Damals habe ich gelernt, mich schnell anzupassen und mich durchzubeißen”, so Franzi.

Und durchgebissen hat sie sich tatsächlich. Nach nur zweieinhalb Jahren beendete das nur 164cm kleine Energiebündel seine Ausbildung und gewann ganz nebenbei auch noch die Berliner Jugendmeisterschaften.
Von da aus ging es dann eigentlich auf mehr oder weniger geraden Weg direkt an die Bar und zwar keine geringe als Harry’s New York Bar in Berlin, wo sie es recht bald schaffte sich einen Stammplatz am Tresen zu erkämpfen.
Wir dürfen nicht vergessen, wir reden hier von 1995, einer Zeit in der Frauen hinter der Bar ungefähr so häufig zu finden waren wie Chartshows auf MTV ohne Dj Bobo, Rednex und Scooter. Man kann schon sagen, daß sie so was wie eine Pionierin war, vor allem da sie es bis zur Stellvertretenden Barchefin brachte.

Als Franzi mir erzählte, daß es anfangs nicht ganz leicht war ihrer Familie und vor allem ihrerMutter klarzumachen, daß in einer Bar zu arbeiten nichts anrüchiges ist und sie keine “Bardame” ist, sondern Barkeeperin (so hieß das damals noch), mußte ich doch ein wenig schmunzeln. Kenne ich doch irgendwoher…

Weitere Stationen auf ihrem Weg waren dann unter anderem die Spielbank in Wiesbaden und der King Kamehameha Club in Frankfurt, bevor sie sich dann schließlich 2003 – zwei Jahre nach der Geburt ihrer Tochter- mit ihrem mobilen Cocktailservice selbstständig machte.

Ich sollte auch nicht vergesen zu erwähnen, daß Franzi wohl mehr Wettbewerbe gewonnen hat, als so ziemlich jeder andere Bartender den ich kenne.

Trotzdem ist sie auf dem Boden geblieben. Sie nimmt sich selbst nicht so ernst, hält sich nicht für eine Mixologin und versucht auch nicht das Rad der Barkultur täglich neu zu erfinden. Sie macht gute Drinks für ihre Gäste und mehr will sie auch garnicht.

Nachtrag: Zum Abschluss hat mir Franzi doch noch ein paar Zeilen geschickt, die ich jetzt hier als Schlusswort stehen lassen möchte…

“Jeder kann seines Erfolges eigener Schmied sein. Das klappt aber nur mit Fleiß, Diziplin und Freude am Job. Für alle, die das verinnerlichen dürfte der Erfolg vorprogrammiert sein. Nur mit Beständigkeit schafft man im Finanzkrisenjahr einen Umsatzrekord mit Tendenz nach oben. Das wünsche ich jedem, der seinen Beruf liebt und lebt. In diesem Sinne – immer positiv sein und sich selbst nicht wichtiger nehmen als man tatsächlich ist.”

Veröffentlicht unter Grütze | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Unter dem Weihnachtsbaum

…lagen dieses Jahr nur Socken von Opi, Plätzchen von Omi und ne Flasche Jack Daniel’s von Mutti (“Du trinkst doch so gerne Whiskey, da hab ich mir gedacht…”)? Super! Also Zeit sich die richtigen Weihnachtsgeschenke selbst zu machen.

Und wie der Zufall so will, ist mir da ein besonderes Schätzchen in den Briefkasten geflattert, was sich total prima unterm Weihnachtsbaum gemacht hätte. Hier also mein Tip für alle, denen das Christkind mal wieder die falschen Geschenke gebracht hat:

Domaine de Courcelles, eine Rarität aus Guadeloupe, destilliert 1972, abgefüllt 2008


Es gibt ihn in zwei Stärken: 47% (siehe oben) und 58% (siehe unten).

Was hat man da genau in der Flasche? Zuerst vermutet man natürlich einen Rhum Agricole, aber spätestens wenn man die Flasche aufmacht und mal kräftig schnuppert kommen einem die ersten Zweifel….faulige Esternoten? Frisches Zuckerrohr? Vergorenes Obst? Fehlanzeige!
Karamell, Vanille und gebackene Banane mit Honig kommen einem da entgegen, aber auch Schokolade und alte Eiche. Hm…also doch Melasse? Richtig!

Wenn man ein wenig nachforscht, erfährt man, daß die 1972 geschlossene Destillerie Courcelles ab 1964 nur noch Melasserhum produziert hat. Aber mehr Information gibt das Internet nicht her. Dennoch, wenn man den Stoff probiert, fällt einem eine gewisse Ähnlichkeit zum Agricole auf, was sicher nich nur an den 35 Jahren im französischen Eichenfass liegt. Meine persönliche Vermutung ist, daß er ebenfalls im für Rhum agricole typischen Einzelsäulenverfahren destilliert wurde, welches nicht besonders hochprozentige, dafür aber um so aromatischere Rhums erzeugt.

Während mich die meisten populären Melasserums mit ihrer schweren, süßen Klebrigkeit eher langweilen, ist dieses Schätzchen richtig spannend. Vor allem der 58%ige vollzieht eine Entwicklung auf der Zunge, die einfach nicht aufhören will.

Zuerst kommt eine überwältigende, süße Fruchtigkeit, die absolut nichts von dem Alkohol spühren läßt. Sobald sich diese etwas zurückzieht kommen die Eiche, dunkle Schokolade und endlich auch etwas Zuckerrohr. Der Rhum wird beständig trockener bis er schließich mit Bitterschokolade und Kaffee seinen furiosen Abgang gibt.

Aber genug r(h)umgenerded für heute!
Wer sich den Spaß gönnen möchte, zu kaufen gibt’s die beiden bei

www.drinkology.de und

www.koelnerrumkontor.de

Viel Spaß beim beschenken!

Kleiner Nachtrag, vor allem für unsere Leser aus der Schweiz: den Rhum gibt’s auch bei

http://www.rhumhouse.ch

Veröffentlicht unter Grütze | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Introducing…Maureen Reichl

Heute geht’s um eine Kollegin, auf die ich richtig stolz bin. Bitte nicht falsch verstehen! Nicht dieses “Kleines-ich-klopf-dir-von-oben-herab-auf-die-Schulter-stolz”, sondern wirklich “Hut-ab-vor-so-großen-Eiern-in-der-Hose-stolz”. Du rockst mal richtig, Schwester!
Mit gerade mal 25 Jahren hat sie eine der spannendsten Neueröffnungen des Jahres hingelegt – und das in einer Stadt in der es an kompetender Konkurrenz nun wirklich nicht mangelt. Mit dem Stagger Lee hat sie es trotzdem geschafft, etwas ganz eigenes und besonderes auf die Beine zu stellen. Richtig geile Drinks ohne Schlips und Kragen eben.
Aber das Thema ist jetzt nicht der Laden, sondern die Frau dahinter…

.

Ich bin Maureen, 25 Jahre alt, Bartenderin und Inhaberin der Bar „Stagger Lee“ in der Nollendorfstrasse in Berlin. Ich arbeite gerne nachts, weil ich das Nachtleben und seine Menschen facettenreich und faszinierend finde. Vielleicht liegt es auch daran das ich abends erst wirklich munter werde…

Auf den Geschmack gekommen an der Bar zu arbeiten bin ich erst so richtig, als ich eine Barschulung bei David Wiedemann in der Barschule Berlin gemacht habe.
Erst dort lernte ich wie vielseitig und spannend der Job als Bartender ist.
Auch wenn bis dahin keine Frauen für die daran anschließende intensiv Ausbildung angenommen wurden, hat meine Hartnäckigkeit und mein Engagement dazu geführt, das ich die Möglichkeit bekam, dieses halbjährige Praktikum zu absolvieren.
Mir wurde direkt am Anfang gesagt:
„Du bist zwar ’ne Frau, aber Du mußt trotzdem schleppen wie ein Typ. Damit das klar ist.“.
Hört sich zwar hart an, aber so war mir das auch lieber, damit ich von Anfang an auch mit den Männern gleich gestellt war.

Die Zeit war sehr hart. Mit wenig Schlaf und wenig Privatleben. Doch hat es trotzdem Spaß gemacht, selbst wenn ich letztendlich meine eigenen Grenzen kennen gelernt habe.
Auch wenn Ich nicht immer mit David einer Meinung war, bin ich ihm für diese Zeit sehr dankbar. Denn ohne diese Erfahrungen würde Ich heute nicht das machen was ich mache.

Auch meine Zeit hinterm Tresen im Sage Club würde ich nicht missen wollen.
Club Bartending ist vielleicht nicht das Anspruchsvollste. Flaschenbier zu öffnen und Longdrinks im Akkord zu machen, ist keine erfüllende Angelegenheit. Aber die Familiäre Atmosphäre zwischen den Chefs und dem Personal untereinander war einmalig. Auch hier wurde nie ein Unterschied zwischen Männern und Frauen gemacht. Alle mussten gleich hart anpacken, oder lange Schichten schmeißen…

Ob Männer oder Frauen die besseren Bartender sind?
Ich würde niemals pauschalisieren ob Männer oder Frauen ordentlicher, organisierter, geschweige denn sauberer hinterm Tresen arbeiten. Ich glaube nicht, daß es geschlechterabhängig ist. In jedem Mann steckt ein bisschen Frau und in jeder Frau steckt ein bisschen Mann. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger…

Mir ist vor allem der Teamgeist wichtig, denn die Atmosphäre zwischen dem Personal spiegelt sich automatisch in der Stimmung der Gäste wieder. Ich finde es wichtig das alle auch Spaß bei der Arbeit haben, sich im Laden wohl fühlen und hinter dem stehen können, was sie machen.

Während der Umbauarbeiten des Stagger Lee wurde ich von Leuten gefragt warum ich ausgerechnet im Homosexuellenkiez einen Laden eröffne. Damit würde ich doch die Heteromänner „verjagen“, denn die würden niemals in einer Bar in so ‘ner Gegend vorbeikommen.
Ganz ehrlich: Wer so engstirnig denkt und damit ein Problem hat ist sowieso nicht willkommen.

Ich werde in letzter Zeit oft auf den Laden angesprochen.
Häufig sind es sehr nette Fragen oder Anmerkungen, manchmal aber bemerkt man auch einen Beigeschmack von Neid bei einigen Leuten. Doch da stehe ich drüber. Ich fühle mich sehr wohl bei dem was ich mache, für mich gibt es nichts schöneres als abends im Laden zu sein und zufriedene Menschen zu sehen die sich amüsieren und sich bei uns wohl fühlen.

Es gibt so einen schönen Spruch : „Mitleid bekommt man umsonst, Neid muss man sich hart erarbeiten.“ Da ist etwas wahres dran…

Veröffentlicht unter Grütze | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Introducing…Constanze Geissler

Conny ist Klasse.
Ok, sie ist nicht irgendwo Barcheffin und hat auch nicht ihren eigenen Laden. Sie hat noch nicht tausend Wettbewerbe gewonnen oder zwanzig irre beeindruckende Stationen in ihrem Lebenslauf. Conny macht einfach “nur” ihren Job hinter dem Tresen der Marlene Bar. Und den macht sie verdammt gut.
Conny kann rackern wie ein Pferd – 18 Stunden am Stück wenn’s sein muß. Conny kann fluchen wie ein Kesselflicker und wenn sie ihre Berliner Schnautze losläßt, geht im Umkreis von 2 Kilometern jeder in Deckung.
Conny kann lachen, daß die Wände wackeln – und Witze erzählen bei denen selbst die derbsten Bauarbeiter rote Ohren kriegen würden.
Aber Conny kann auch geile Drinks machen, ne Menge über Whisky und Brandy erzählen, Caterings planen und organisieren oder einfach, an nem Abend, an dem 200 Leute nach ner Veranstaltung geschlossen den Tresen stürmen, nicht absaufen.

Hier kommt ihre Geschichte:

.

Wie bin ich in die Bar reingeraten ?
Bereits in meiner Schulzeit hab ich angefangen, in einem Cafe zu arbeiten. Ich war und bin bis heute davon fasziniert, welche Wirkung ein guter Service bietet. Die Überraschung im Gesicht des Gastes wenn man nur ein kleines bisschen mehr als die reine Dienstleistung bietet. Ich glaube , diese Momente haben mich angefixt. Ich wechselte vom Cafe zu einer Personalleasingagentur und fand den nächsten faszinierenden Aspekt dieser Arbeit , die Abwechslung! Ich war in großen Hotels, Gourmetrestaurants im Kanzleramt und Botschaftsanwesen. Diesen Nervenkitzel, nicht zu wissen was einen erwartet, wie der Abend laufen wird, find ich spannend.

Tja und dann kam das Angebot als Aushilfe in der Harry`s New York Bar anzufangen, für 2 Tage . Ich hab’s angenommen , weil ich eigentlich weniger arbeiten wollte und besser verdient hätte.
Damals war ich noch eine recht fleißige Studentin!
Aber es kam wie es kommen musste …..
Wann immer es ruhig war ließ ich mir Spirituosen erklären und lernte die Cocktails, um fähige Empfehlungen aussprechen zu können. Aus zwei Tagen wurden immer mehr und irgendwann war keine Zeit mehr zum studieren.

Im September 2006 hab ich dann zum ersten mal in Vollzeit in der Marlene Bar im Intercontinental Berlin angefangen. Bis heute bin ich hier tätig.

Nebenbei hab ich inzwischen meinen Abschluß als Restaurantfachfrau nachgeholt und habe die Barschule Rostock mit eins absolviert.

Meine Familie war natürlich nicht gerade übermäßig erfreut, als ich mein Studium an den Nagel gehängt habe, hat aber meine Entscheidung mitgetragen und mich auch darin bestärkt dann eben auf diesem Gebiet Vollgas zu geben. Meine Mutter wollte unbedingt, dass ich meinen Abschluss als Restaurantfachfrau nachhole und auch von der Barschule war sie angetan.

Hier muß ich mich noch mal ganz kurz stören.Da Conny die einzige Barfrau ist, die ich kenne, die seit längerer Zeit eine funktionierende Beziehung zu einem Nicht-Gastronomen hat, hab ich sie gebeten, auf die privaten Turbulenzen, die das Barfrauendasein so mit sich bringt, ein wenig einzugehen…

Die Rolle meines Freundes in der Geschichte wird jetzt ne reine Liebeserklärung. Er ist mein starker Rücken. Er findet es wichtig, dass man seine Karriere verfolgen kann. Aufgrund der total unterschiedlichen Arbeitszeiten sehen wir uns natürlich zeitweise ziemlich selten, versuchen aber die zeit so gut wie möglich zu nutzen. Ich bin total froh , dass er in einer ganz anderen Branche arbeitet. So können wir beide besser von der arbeit abschalten wenn wir uns sehen.

Wir sind jetzt seit vier Jahren zusammen und trotz aller Schwierigkeiten finde ich , daß er der tollste Mann ist , den ich kenne. Allerdings fragt er nach vier Jahren immer noch, ob ich am Wochenende frei habe !!!

Bis jetzt bereue ich selten die Entscheidung voll in die Gastronomie einzusteigen. Als Frau in einer Männerdomäne zu arbeiten, empfinde ich als spannende Herausforderung .
Sowohl Gäste als auch Kollegen sind oft überrascht, wenn man als Mädel mitreden kann. Jeder denkt in Schubladen , deswegen amüsiert es mich mehr , als dass es mich kränkt.

Ich glaube Frauen haben noch mehr den Anspruch sehr professionell im Job zu sein . Alle Frauen, die ich im Business kenne , bilden sich ständig weiter und können jedem Mann Paroli bieten.

Meinetwegen können die Jungs die Chefs sein , wir Mädels sind „Schattenchefs“ und kriegen schon was wir wollen ; ) !

Veröffentlicht unter Grütze | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Introducing…Carolin Weise

“Äh…wer ist Carolin Weise?”, mögen sich jetzt einige von euch fragen. Das man das nicht weiß, ist eigentlich ein Wunder. Sie ist das hübsche Gesicht, daß man schon so oft auf Fotos von Wettbewerbssiegern gesehen hat, ja genau die kleine Blonde, rechts oder links neben dem Sieger, auf Platz zwei oder drei. Kontinuierlich erfolgreich, mit einem Lebenslauf zum neidisch werden, hat sie es doch geschafft, irgendwie unter dem Radar zu fliegen. Sie ist eben nicht so ein Großmaul, das sich ständig in den Vordergrund debattiert und immer überall da auftaucht, wo sich das who-is-who der Szene trifft. Sie ist fleißig, bescheiden, fair, fachlich verdammt gut und damit überaus erfolgreich.

Meine erste Erinnerung an Carolin ist eine sehr positive. Im Frühjahr 2005 war ich mit einem Kollegen auf Bartour in München. Die fing überaus bescheiden an – mit einem eher enttäuschenden Besuch im Schuhmann’s, wo das unterkühlte Personal auf uns blöde Touris ganz offensichtlich so gar kein’ Bock hatte. Gefrustet und leicht angesäuert nach zwei weiteren eher so mittelprächtigen Drinks in zwei eher so mittelprächtigen Bars, ging’s dann in die Pusser’s Bar, wo wir von dem strahlenden Lächeln einer sehr jungen und sehr blonden Barfrau empfangen wurden. Sie war definitiv mein absolutes Highlight an diesem Abend in dieser Stadt. Es wurde noch ein toller Abend, mit großartigen Drinks und absoluter Wohlfühlatmosphäre.

Bevor ich sie selbst ein wenig erzählen lasse, hier noch ein paar Eckdaten zu ihrer Karriere:
Die gebürtige Hamburgerin lernte ihr Handwerk im Hotel Louis C. Jacob (“Da kommen bei den Abschlussprüfungen immer die Jahrgangsbesten her”, Zitat Eyck Thormann), ging dann nach München ins Mandarin Oriental und die Pusser’s Bar, arbeitete danach im Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg und im Trump International: The Mar Lago in Florida. Mittlerweile ist sie Bar Supervisor im One Aldwych Hotel in London – und das mit gerade mal 25!
Verdammt beeindruckend, wie ich finde.

Aber genug von mir, hier kommt Carolin…

.

Warum Frauen manchmal die besseren Barmänner sind?

Die meisten Gäste an der Bar wollen einen netten Gesprächspartner, dem sie alle ihre Probleme, Geschichten und Witze erzaehlen koennen. Sie werden an der Bar immer verstanden, ihnen wird zugehört und es wird über ihre Witze gelacht, ob sie gut nun sind oder nicht…
Ist es dann noch eine sympatische Barkeeperin, die auch noch gute Drinks mixen kann, was können sie noch mehr erwarten?

Dann kommt noch dazu, dass wir meistens einfach besser organisiert sind, immer alles ordentlich halten und unsere Station immer sauber hinterlassen. Limetten werden alle in die selbe grösse geschnitten, der Tresen ist immer sauber und alle Kuehlschraenke aufgeräumt.

Auch können wir besser mit den nicht so angenehmen Gaesten umgehen, denen die sich aus der zweiten Reihe vordrängeln, uns ungefragt Bestellungen an den Kopf werfen und sich dann noch beschweren, daß die Drinks zu lange dauern. Wir fühlen uns nicht gleich auf den Schlips getreten, vielleicht weil wir keinen tragen. Mit einem charmanten Lächeln kaufen wir uns einfach noch ein paar Minuten.

Natürlich war es vor ein paar Jahren noch anders, es gab noch nicht so viele Barmaids. Ich wurde schon manchmal gefragt, wo denn der Bartender sei und ob wir Bestellungen aufnehmen könnten da sie ein paar extra Wünsche hätten, wie sie ihren Old Fashioned haben wollen. Ob wir denn eigentlich wüssten was ein Old Fashioned sei…bla bla

Auch die richtigen Jobs zu finden war nicht immer so leicht. Ich hatte immer das Gefuehl, mich mehr beweisen zu müssen als die Maenner. Auffüllen der Bar: Meine Kollegen haben manchmal Nachrichten hinterlassen, mach dir keine Sorgen, falls du es nicht schaffst die Kisten Bier zu tragen… Entschuldigung, alle meine Stunden im Fitness Studio zahlen sich doch wohl aus!!!

In den letzten 5 Jahren, die ich nun an der Bar arbeite, habe ich positive und natürlich auch negative Erfahrungen gemacht.
Ich habe geschafft, einigen Barmanagern zu beweisen (Grüsse an Peter Kallweit, solltest du diesen Artikel lesen), daß auch Frauen gute Bartender sein können. Auch war ich die erste Frau hinterm Tresen der Pusser’s Bar in München.

Im großen und Ganzen ist, denke ich, ein bunter Mix aus Frauen und Männern eine gute Sache. Harte Arbeit, Fachwissen, Ehrlichkeit und Teamgeist sind die Grundlage zum Erfolg, egal ob man männlich oder weiblich ist!

Veröffentlicht unter Grütze | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Introducing…Anna Knorr

Nicht das es in diesem Fall einer großen Vorstellung bedürfte! Anna gehört zweifels ohne zu den bekanntesten und erfolgreichsten Barfrauen des Landes – und im Bereich Flair auch darüber hinaus. Daß sie diese Reihe eröffnet ist also nicht weiter verwunderlich.

Außerdem war Anna wohl die erste “richtige” Barfrau die ich kennengelernt habe, zu einer Zeit, als an meinem damaligen Arbeitsplatz noch die strikte Regel “Frauen vor den Tresen, Männer dahinter” galt. Im Sommer 2004 nämlich, als die Havana Club Bar Giants in Saarbrücken Station machten. Damals stand Anna im sechsten Monat schwanger auf der Bühne, ließ den Jungs die Flaschen um die Ohren fliegen und bekam als Belohnung auf der Bühne einen Heiratsantrag von ihrem -mittlerweile- Ehemann Matthias.

Aber das war natürlich nicht der Anfang ihrer Geschichte hinter der Bar…Der liegt irgendwo hinter einem Clubtresen in Frankfurt vor ungefähr zehn Jahren, als Anna eigentlich Azubi im Einzelhandel war und sich nur was dazuverdienen wollte, sicher auch um ihre spätere Gesang- und Klavierausbildung in Schottland zu finazieren.
Somit war die Gastronomie bei ihr zu Anfang wohl eher sowas wie Plan C. Aber gut, daß daraus doch noch Plan A geworden ist, denn sonst wäre die deutsche Barszene nicht nur um ihre einzige ernstzunehmende Flairtenderin sondern auch ein ganz besonders liebenswertes Powerpaket ärmer!

Aber lassen wir sie selbst ein wenig erzählen:

Ich bin Anna, 30 J. verheiratet mit Matthias Knorr, Kind (5) und Hund (7). Ich arbeite für Modernbartending (besteht aus Barschule München, Barperformance und Consultivation) und liebe meine Arbeit , da sie sehr vielseitig ist. Ich arbeite zum einen als Dozentin für die Barschule und gebe meine Erfahrungen, die ich an der Bar und in der Gastronomie gemacht habe an meine Schüler weiter. Es ist toll so eng und intensiv mit Menschen zu arbeiten und eine Herausforderung sich auf verschiedenste Charaktere einzustellen.
Da ich aber selbst noch gerne aktiv bin, bin ich auch für Barperformance unterwegs. Wir machen nicht nur Caterings, sondern versuchen auch aus jedem Event ein Highlight zu machen. Wir benutzen z.B. das Flairbartending & Barmagic dazu unsere Gäste zu begeistern.
Ich habe den Betrieb meines Mannes mit aufgebaut und unterstütze Ihn wo es nur geht. Wie sagt man so schön: “die starke Frau im Rücken des Mannes”.

Ich weiß nicht ob ich sagen kann, daß ich besonders bin. Ich liebe einfach was ich tue. Ich hab immer Theater gespielt, habe eine Ausbildung für Gesang in Schottland gemacht und danach in Bars gesungen. So kam ich dann auch dazu hinter der Bar zu arbeiten. Ich sehe die Bar als meine Bühne. Ab und zu singe ich dahinter und lasse die Flaschen tanzen.

Ich denke das ich im Flairbartending sehr viel für uns Frauen geleistet habe. Ja, wir können auch fangen :) .
Ich bin jetzt seit sechs Jahren aktiv auf Wettbewerben unterwegs, spiele immer bei den Jungs mit und das mit Erfolg! Die letzten Jahre war ich bei der Deutschen Meisterschaft immer unter den Top 10 der Herren und 2008 habe ich die World Tour der Damen gewonnen (PLatz 36 der Herrren).
Ich freue mich immer, wenn ich viele Mädels im Flairkurs habe und noch mehr wenn sie dabei bleiben.

Ich denke das ich auch ein guter Animateur bin und meine Jungs im Büro immer neu motiviere, sie mit neuen, innovativen Ideen überrasche und wir dann zusammen alles ausarbeiten. Ja, ich bin ein absoluter Teamplayer, denn es zählt nicht nur was der Einzelne kann sondern was man zusammen erreicht.

Ich habe in meiner Karriere als Barfrau kaum schlechte Erfahrungen machen müssen. Natürlich kamen Sprüche wie “Frauen gehören nicht hinter die Bar” – aber dazu kann ich einfach nix sagen, das ist mir zu blöd und mit solchen Männern diskutiere ich auch garnicht. Wenn das Ihre Meinung ist, dann arbeiten in ihrer Bar eben nur Männer – für mich auch o.k..
Allerdings muss ich sagen das man als Frau hinter der Bar auch nicht zimperlich sein darf! Wir müssen genauso wie die Jungs die Kühlschränke auffüllen etc. und zum Teil noch härter anpacken bis wir in einem neuen Betrieb ernst genommen werden. Aber im Grunde glaube ich, daß die Zeit “Frau an der Bar geht garnicht” vorbei ist. Es ist schön, zu sehen wenn Frauen gut hinter der Bar arbeiten und zeigen was Sie drauf haben.
Ich habe bisher eher positive Reaktionen gehabt und auch Reaktionen wie : ” Boa, ne Frau, die kann ja fangen!”

Ja so sind sie halt, die Männer ;)
Wir Frauen sagen ja auch ” boa, meiner hat die Zahnpasta heut zugeschraubt! ;)

Veröffentlicht unter Grütze | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Aus dem Nähkästchen einer Barfrau

Lange hab ich hin und her überlegt wie ich mit dieser Reihe anfangen soll, wen ich zuerst portraitiere, ob ich erstmal ein Vorwort schreibe und vor allem wie ich mit diesem speziellen Beitrag über eine bestimmte Dame umgehen soll. Die Dame, die ich meine, hat sich nämlich bereiterklärt ihre Gedanken und Erfahrungen beizusteuren, möchte aber anonym bleiben.
Wie aber mache ich ein Potrait über jemanden, der weder genannt noch erkannt werden möchte? Garnicht. Aber etwas anderes kann ich tun, nämlich ihr die Eröffnungsrede zu meiner Portraitreihe über Barfrauen überlassen. Also lest und staunt wenn Jane Doe aus dem Nähkästchen einer Barfrau plaudert….

Ich muss aus der Vergangenheit sprechen, da ich ja keine aktive
Bartenderin mehr bin. Als ich den Job rund zehn Jahre lang ausübte,
liebte ich ihn stets mehr, als ich ihn gleichzeitig hasste. Es gab
zwei Gesichter.

Das tolle am Bartending war, dass man in gesunder Distanz und dennoch
intensiv am Menschen arbeitet. Die Distanz bringt das “(Be)Dienen” mit
sich. Der Bartender erfüllt im Auftrag des Gastes dessen Wünsche, die
sich auf Getränke beziehen. Eine Art Oberflächlichkeit, die nicht viel
mit dem leiblichen Wohl zu tun hat, schon garnicht mit dem psychischen,
sondern mit Genuss.
Und dennoch kommt es oft vor, dass der Gast nicht nur ein Getränk
möchte, sondern in die Bar kommt, um Mensch zu sein, wahrgenommen zu
werden und sich auszutauschen. Da Bartender für ein Gespräch keinerlei
Hürden bieten und nicht “angequatscht” werden müssen, sondern von sich
aus die (zunächst getränkebezogene) Kommuniaktion eröffnen, hat der
Gast wenig Hemmungen, sich ihm gegenüber zu öffnen. Die gesunde
Distanz bleibt dabei (meist) erhalten. Der Gast weiß, dass er Gast ist
und einen “Bediensteten” vor sich hat, dessen Beruf es ist, sich auch
mal mit Gästen zu unterhalten. Es wird nicht privat, auch wenn die
Themen manchmal privat sind. Beide würden sich normalerweise nicht
andernorts privat treffen. Die Bar ist der Ort der Kommunikation, da
sie eine Art Schutz für beide bietet.

Die hat mir sehr gefallen und machte mir nach meinem Studium
die Entscheidung für die Gastronomie leicht. Die Therapie war mir viel
zu nah am Menschen, zu fordernd. Die Gastronomie bat ein angenehmes
Plateau der zwischenmenschlichen Kommunikation. Das schönste war,
wenn ich es schaffen konnte, dass ein schlecht gelaunter Gast am Ende
desAbends mit einem Lächeln aus der Bar ging. Das allein war die Mühen
wert, die der Job mit sich bringt.

Und da wir gerade beim Fordern sind: Ein großes Contra legten
diejenigen Gäste zu dem Job des Bartendings, die nur forderten und das
Personal herablassend als ihre Diener verstanden. Manche Menschen
nutzen die Chance, sich so aufzuplustern und tun, als wären sie
der, der sie gern sein würden. Sowas hat mich immer sehr genervt.
Besonders die Tatsache auch in solchen Sitationen stets freundlich
bleiben zu müssen und dem Gast nicht die Meinung aufs Brot schmieren
oder ihn des Hauses verweisen zu dürfen. Wir sind alle nur Menschen!
Aber das sehen manche Menschen anders.

Das Gefühl des Dieners an sich hat mich zum Teil auch belastet, wenn
ich Tage mit schlechter Laune oder Übermüdung wegen langer Nachtschichten
hatte. Es war oft so,
dass ich dachte, nur für andere zu arbeiten und ihnen alles recht zu
machen, ohne das jemand fragt, wie es mir geht. Das Gleichgewicht des
Gebens und Nehmens geriet bei dem Job oftmals aus dem Lot. Besonders
in Tagen, in denen zu wenig lächelnde Gäste aus der Bar gingen.

Die physische Anstrengung des Jobs, das schwere Heben und nächtliche
Arbeiten, hat mir selten etwas ausgemacht. Ich fand es sogar gut,
irgendwie “gegen den Strom zu schwimmen” und zu arbeiten, wenn andere
schlafen und umgekehrt – auch wenn sich die privaten sozialen Kontakte
dann größtenteils auf Kollegen beschränkten. Aber meine Gelenke sahen dies
nachhaltig anders.

Aber was macht Frauen an der Bar besonders? Nun, zunächst ihre
Anziehungskraft auf Männer, die die besseren “Kunden” sind, weil sie
meist stärker trinken und in Gruppen auftreten. Zudem sind Frauen
feinfühliger, sehen zum Teil besser als Männer, was der Gast möchte
oder wie er drauf ist, was er sich vom Abend verspricht. Drittens sind
Frauen kreativer. Bezogen auf Drinks und Garnituren ein Vorteil. Und
sie sind koordinierter, bekommen schneller Abläufe organisiert.

Nachteilig an Frauen ist, dass sie physisch einfach nicht für das
Kistenschleppen oder Fässerwechseln gemacht sind. Auch strahlen sie
nicht die gleiche Autorität aus, wie Männer. Eine Frau alleine eine
Bar schliessen zu lassen ist meist nicht unbedingt eine gute Idee.

Und wie sich mein Geschlecht auf meine karriere ausgewirkt?
Ich habe es nie als schwierig empfunden, als Bartenderin einen Job zu
bekommen. Die einzige Schwierigkeit ist, sich den Männern gegenüber
“zu beweisen” und als gleichwertige Kraft angesehen zu werden. Das
kann dauern bzw. klappt in manchen Fällen überhaupt nicht (Machos). Man muß
sichals Frau eine harte Schale zulegen und  “seinen Mann stehen”. Der Job
kann ein Knochenjob sein, also Zähne zusammenbeissen beim geniessen!

Wir Frauen sind nicht besser als die Jungs. Wir sind nur anders als sie.

Veröffentlicht unter Grütze | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Blaues Blut in der Shochu Bar

Nein es geht nicht um den Besuch etwaiger Fürsten oder Grafen in meiner neuen Wirkungsstätte, es geht heute um RICHTIGEN Adel! Schottischen Adel, um es etwas zu präzisieren.

Na, ahnt ihr es schon? Ja! Wir haben ihn! Dieses legendäre Etwas, das viele gesehen haben wollen, dem aber niemand wirklich begegnet ist, fanatischer gesucht als Osama bin Laden, mysteriöser als der Yeti und schwerer zu bekommen als Tickets für die Fußball WM…steht er doch bei uns im Regal: Der bombastische Lord of the Isles!

Für all jene, die noch nichts von diesem seltenen Stöffchen gehört haben: Hierbei handelt es sich um einen 25jährigen Ardbeg, DEN 25jährigen Ardbeg. Warum es was Besonderes ist, ihn im Backboard zu haben, fragt ihr? Also dazu muß ich jetz ein wenig ausholen…

Ersteinmal, Ardbegs sind immer besonders. Kaum eine Destillerie hat es so oft geschafft ihre Whiskies Jahr für Jahr ganz oben in den Bestenlisten (und meinem Regal) zu plazieren wie Ardbeg. Die absolut genialen, ardbegtypischen Aromenkombinationen aus Zitrus, Torf, Rauch, Erde und samtiger Malzsüße sind eine deratig knifflige Herausforderung an die Geschmacksnerven, daß jeder Schluck Ardbeg einer Achterbahnfahrt gleicht. Ja, ich überstrapaziere diese Phrase, aber ich liebe diesen Stoff!


Zum Anderen sind 25jährige und ältere Single Malts natürlich bei gut betuchten Gästen immer sehr gefragt, sicherlich auch weil sie selten und teuer sind.
Beim Lord of the Isles ist dieser Faktor ein ganz erheblicher, da es in absehbarer Zeit keinen Nachschub an 25jährigem Ardbeg geben wird. Die Ardbeg Destillerie war nämlich von 1981 – 1989 geschlossen, d.h. die ältesten, nach der Wiedereröffnung abgefüllten Fässer werden erst in fünf Jahren das Vierteljahrhundert erreichen.

Bis dahin muß er also reichen, der Lord, was seinen Preis in den letzten ein, zwei Jahren in astronomische Höhen hat schießen lassen. Das widerum macht ihn zu einem heißbegehrten Objekt für Sammler und Spekulanten, was leider, leider noch weniger übrig läßt für Leute wie mich, die nämlich guten Whisky einfach nur Trinken wollen.

Doch eine Flasche haben wir nun für euch ergattert – einfach nur zum Trinken.
Also, wer schon immer mal einen Lord of the Isles probieren wollte, sollte schleunigst vorbeischauen solange noch was da ist. Und wer sich den Schluck nicht leisten kann oder will, kann trotzdem kommen – dem erzähl ich dann wie er schmeckt, der Lord. Ich hab ihn nämlich schon probiert…

Veröffentlicht unter Grütze | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar