Persönliche Einladung…oder auch nicht!

Heute wird wieder gepöbelt! Und sicherlich werden mir das einige übel nehmen. Denn es geht um ein Luxusproblem.

Zur Zeit flattern absurd viele Einladung zu irgendwelchen von Brands veranstalteten Bartender Events in meinen größten Teils virtuellen Briefkasten (den Vogel schießt da glaube ich gerade Grand Marnier ab mit drei Events in drei Wochen.).

Das ist an sich ne schöne Sache. Man freut sich immer über die Gelegenheit, mit Freunden bei dem ein oder anderen Freigetränk nett zu plaudern.

Nur scheint die Berliner Barszene zur Zeit derart übersättigt an solchen Events, dass keiner mehr hingeht. Das wiederum führt dazu, dass man möglichst viele Leute einlädt, oder es gleich öffentlich auf Facebook postet, in der Hoffnung so die Veranstaltung irgendwie voll zu kriegen. Wenn man dann tatsächlich doch mal hingeht, begegnen einem dann vielleicht noch zwei – drei bekannte Gesichter, womit oben genannte Motivation diese Veranstaltungen zu besuchen hinfällig wird und man in Zukunft eher zu Hause bleibt.

Der Stein des Anstoßes für diesen Artikel und sicherlich auch ein Grund für das Fernbleiben vieler Bartender, ist jedoch ein anderer.

Eine “Persönliche Einladung” landete in meinem e-mail Eingang. Naja, eigentlich in allen dreien. Hatte man wohl einfach mal an den ganzen Verteiler “Bar” geschickt, anstatt an Menschen. Okay.

Nun hatte diese “persönliche Einladung” aber nicht mal ne Anrede. Also sehr “persönlich” ist das ja jetzt nicht…

Eingeladen wurde auch gleich zu drei Events in Frankfurt, München und Berlin. Hmm…man spart sich natürlich sehr viel Arbeit wenn man nicht noch drei verschiedene Einladungen mit drei verschiedenen Daten an drei verschiedene Verteiler schickt.

Abschließend stand auch kein Name des Verfassers oder sonst wie “persönliche” Grüße.

Darüber hinaus erschien die Veranstaltung auch zur gleichen Zeit als offene Veranstaltung auf Facebook. Jeder ist willkommen.

Wow, das wertet die “persönlich Einladung” erst so richtig auf!

Eingeladen wurde zu einem Workshop, der mich in die künstlerische Welt des Cocktailmixens einführt, den ein ehemaliger Kollege von mir macht.

Are you out of your fucking mind? Ich mach den Scheiß seit fasst 10 Jahren. Ladet doch gleich zu nem Workshop im Schnürsenkel binden!

Was genau bewirkt so eine Einladung? Abgesehen davon, dass sie gleich im Papierkorb landet, lässt sie die dahinter stehende Marke ziemlich blöd aussehen, weil sie eine unprofessionelle Agentur beauftragt haben, die die Branche nicht kennt und die darüber hinaus nicht ihre Hausaufgaben gemacht hat. Werbeeffekt = – 100.

Mancher mag jetzt denken: “die blöde Kuh, soll doch froh sein, dass sie überhaupt eingeladen wird”. Aber ganz so einfach ist das eben auch nicht. Die Industrie lädt uns ja (in den meisten Fällen) nicht ein, weil wir so gute Freunde sind und sie uns unbedingt was gutes tun will. Im Grunde genommen sollen wir unsere Freizeit opfern um uns (auch in den meisten Fällen) irgendein Marketinggewäsch anzuhören, oder uns der Marke in irgendeiner Form emotional zu verpflichten um dann im Endeffekt mehr von dem Produkt zu verkaufen. Wir sind am Ende die, die entscheiden, was beim Gast im Glas landet und was nicht. Also, ihr wollt was von uns? Dann gebt euch verdammt noch mal auch ein bisschen Mühe!

Ein Gegenbeispiel dazu: Vor ungefähr zwei Wochen lagen auf meinem Schreibtisch zwei wunderschöne rote Umschläge, mit Goldstift per Hand namentlich adressiert an mich und meine Stellvertreterin (was uns echt ziemlich vom Hocker gehauen hat, da die Gute noch keine Woche bei uns war). Darin war eine Einladung auf sehr hochwertigem Papier mit persönlicher Anrede und Unterschrift des Verfassers. “Oh wie schön!” Haben wir gesagt. “Wer kann denn das gewesen sein?”…”Wer informiert sich denn so gut, dass er schon wissen kann, dass ich jetzt hier arbeite?” Natürlich Barworkz. Wer sonst? Wer sonst würde sich zum Beispiel die Arbeit machen, niedlich bedruckte, kleine Zettel in noch kleinere Röllchen zu rollen, diese in winzige leere Flaschen zu friemeln und die dann in der ganzen Stadt zu verteilen? Oder Schifffahrten zu organisieren anstatt mal wieder nen tasting in den ewig gleichen Bars zu veranstalten?

SOWAS ist ne persönliche Einladung!

Und deshalb geh ich am 15.08. auch zum Lillet Après Midi in’s La Raclette und nicht zum Barfrauenfrühstück (was eher “Frühstück für Barfrauen und andere Mädels, die vielleicht vorbei kommen möchten” heißen sollte) im – gähn, schon wieder- Amano.

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9 Antworten auf Persönliche Einladung…oder auch nicht!

  1. Erich WassicekNo Gravatar sagt:

    wahre worte Fr. Schneider, schön wieder von Dir zu lesen
    DANKE und ganz ganz liebe Grüße aus Wien
    Erich

  2. christoph rouletNo Gravatar sagt:

    ich kann deine empörung sehr gut nachvollziehen. In dieser stadt hat sich im letzten jahr zwar vieles getan, aber hinsichtlich der events und deren einladungen hat es sich eher zum negativen entwickelt. Dreifach bzw. Vierfach einladungen scheinen eher an der tagesordnung zu sein. Viele von meinen kollegen haben gar nicht die möglichkeit sich die freizeit so einzuteilen. Wenn sie sich dann doch entschliessen an einem der vielen events teilzunehmen, kommen sie oft entäuscht zurück, und fragen sich wieso sie dermassen dafür gekämpft haben um daran teilzunehmen.
    Gruß

    Christoph Roulet

  3. OlafNo Gravatar sagt:

    Toller Bericht
    Auch ich bekomme als sogenannter Influencer(nein, das ist keine Krankheit) die ein- oder andere Einladung. Am Anfang fühlte ich mich natürlich extrem gebauchpinselt. Inzwischen wird es immer unpersönlicher und belangloser.
    Ich hoffe für Dich, dass der Bericht nur positive Reaktionen hervorruft.
    Vor allem bei den Firmen.

  4. Jens GröningNo Gravatar sagt:

    Um der untergehenden Kommentarkultur entgegen zu wirken, gelobe ich Besserung und fange mal wieder an:

    Gut gebrüllt, Löwin! Was sich manche Agenturen da zur Zeit leisten ist ein absolutes NoGo und man sollte solche Veranstaltungen bewusst nicht besuchen, denn ich als alter Senkologe weiss sehr wohl, wie man sich die Schuhe bindet…

  5. CordiNo Gravatar sagt:

    Man man man, ich weiß gar nicht so recht was ich sagen bzw. schreiben soll…..
    man könnte glatt auf den Gedanken kommen, dass so manch einer sich wichtiger nimmt als er ist!?? Oder vielleicht gerade nichts besseres zu tun hat, als sich über irgendein Mist aufzuregen, worüber sich wahrscheinlich nur der minimalste Teil der Fachkollegen überhaupt Gedanken macht.
    Es gibt auch Berufseinsteiger oder nicht so bekannte Bartender und Bars in unserer Branche, die sich über Einladungen freuen auch ohne persönliche Note.
    Ich für meinen Teil freue mich immer über Einladungen – ob ich jetzt 1, 2 oder 3 bekomme, mit oder ohne persönliche Ansprache.
    Denkt mal darüber nach, was das für ein Aufwand ist, bei der Menge an Fachkollegen!
    Es geht ja schließlich nicht um die Oscars!!!!
    Und es ist echt zum kotzen wie sich doch so einige Fachkollegen aufführen, als wären sie etwas Besonderes und hätten einen Sonderstatus verdient…
    denn wir machen alle die gleiche Arbeit und lieben unseren Job (das hoffe ich zumindest sehr).
    Wir sollten alle das gleiche Ziel haben, unsere Gäste zu erfreuen, denn darum geht es in unserem Job – da erzähl ich auch nichts neues….

    Wenn soviel Zeit ist über so blödes Zeug nachzudenken, warum macht man sich denn nicht mal Gedanken wie man z.B. armen Ländern, kranken Kinder etc.pp. helfen kann??

  6. liqueretteNo Gravatar sagt:

    Weltfrieden!

  7. Dominik GalanderNo Gravatar sagt:

    Juhuuuuu,
    Chrille ich bin bei Dir, lass uns doch mal gemeinsam pöbeln. Geht mir eh alles auf’n Sack,
    die ganze Drecks-Scheiße, die irgendwelche Marketing-Fuzzies verzapfen, weil Sie ja eigentlich Mode machen wollen und nur nebenbei mal beim Schnapps hängen geblieben sind. Vollärsche. Eben noch bei Gilette, jetzt bei …. Die gehen auch nicht zur Arbeit, die gehen in die Agentur. Ich hasse Sie alle und das beste, frag mal einen nach Produktspezifischen Details. Die können doch alle nicht auf drei zählen.

    Und Jens – Du hast doch Klettverschlüsse!!!

    Barkeeper kann ich übrigen auch nicht leiden und Mixologen noch weniger.
    Ich mag Kellner! Die verkaufen Ihren Scheiß wenigsten, die rühren nicht ewig in Ihrer Suppe rum und klopfen sich dann auf Freisauf-events von der Industrie auf die Schultern!

    Scheiß auf den Weltfrieden: Es ist Krieg hört Ihr!! Krieg!!

  8. ChristinaNo Gravatar sagt:

    @ Olaf: Mike Meinke hat mir offenbar die Facebook-Freundschaft gekündigt…ist das eine positive Reaktion seitens der Industrie..? ;)

  9. Alexander AffeldtNo Gravatar sagt:

    I like … Das Wort zum Sonntag hat Frau Schneider ;)

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