Supernova Superstar!

Manchmal hören Menschen zu, oder sehen hin, oder lesen richtig…keine Ahnung wie in diesem Fall die richtige Formulierung ist. Ist auch egal. Jedenfalls bekam ich vor ein paar Wochen Besuch in der Bar. Der Brand Ambassador von Ardbeg/Glenmorangie war da um “den Ardbeg Fan” Christina Schneider kennen zu lernen. Hm…fühle mich geschmeichelt, aber woher…? Ah ja, Mixology! In der letzten Ausgabe war zu lesen, wie bescheiden “der Ardbeg Fan” Christina Schneider den Rollercoaster findet, nämlich sehr bescheiden. Nicht daß es mich nicht schon genug verwundert, daß mich jemand nach meiner Meinung fragt und das dann druckt, aber daß das dann auch noch jemand liest…verrückte Welt.

Naja, worauf ich hinaus will, ist die Tatsache, daß offensichtlich nicht mein Verriss hängengeblieben ist, sondern mein absolutes Fan-sein.

Dem habe ich es dann wohl auch zu verdanken, daß vor ein paar Tagen ein Päckchen mit dem neuen Supernova, kurz und poppig SN2010 in meinem Briefkasten landete.

Sehr schickes Päckchen, muß ich zugeben. Aha, Pressemitteilung. Weg damit. Hm, Tastingnotes werden auch schon mitgeliefert. Ab in den Müll. Stylische DVD. Zack in die Ecke. Aha! Eine Flasche! Schnell aufgemacht und rein ins Glas.

Na dann mal ran an den Stoff. Meine Nase nähert sich begierig und voll großer Erwartungen dem Glasrand – um dann ganz schnell wieder zurückzuschrecken. Autsch! Die 60,1% tun weh. Und nicht nur die.  Da ist, wie zu erwarten war, ne Menge Torf, Öl, aber auch Süße und Frucht…nur irgendwie ist da Unordnung drin. Kein ruhiges, balanciertes “hhhhhmmm!” sondern ein an mir Zerren in 100 verschiedene Richtungen. Ich stelle ihn wieder weg und guck ihn böse an. Du wirst mich doch nicht schon wieder enttäuschen…! Okay, ich versuch’s trotzdem, vielleicht täuscht der erste Eindruck ja. Ich hoffe es.

Der erste Tropfen berührt meine Zunge und POW! Es trifft mich wie ein Faustschlag in die Magengrube! Baby, ich wußte du hast es drauf! Klar, Torf, Torf, Torf und so. Aber die wahre Überraschung ist diese extreme, malzige Süße, die die Torfnote beinahe blaß aussehen läßt. Der SN2010 füllt nicht nur den ganzen Mund, er tapeziert die gesamte Mundhöhle mit einem dicht gewobenen, dicken, sirupartigen Geschmacksteppich. Es ist eher gewaltig als subtil, mehr Klitschko als Mozart – ein wuchtiges Schwergewicht eben.

Ich lasse ihn eine Weile stehen, um den ersten Eindruck sacken zu lassen. Nach einer Stunde knöpfe ich ihn mir nochmal vor. Sieh an, auf einmal funktioniert auch die Nase. Mit etwas Wasser gefällt er mir sogar noch besser. Macht Spaß.

Dennoch…vergleicht man ihn z.B. mit einem Uigeadail, fehlt es ihm doch ein wenig an Raffinesse, an Komplexität. Vom Fass merkt man sehr wenig. Und zu entdecken gibt es auch nicht so viel. Er springt dir eben gleich ins Gesicht, präsentiert sich nackt auf dem Silbertablett, ist ehrlich und geradeaus.

Nein, diesmal bin ich nicht enttäuscht. Ardbeg hat definitiv wieder einen großartigen Whisky geschaffen, der vor allem genau den Trend hin zu schweren, körperreichen, süßen und rauchigen Whiskys erfasst hat.

Die – mal wieder wunderschöne – Flasche gibt es ab Ende Mai für knappe 80 Euro. Ich sage: Kaufen!

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